Sakrament der Versöhnung

Beichte/Sakrament der Versöhnung

Wenn ein Mensch sich seiner eigenen Fehler, seiner Schuld bewusst wird, ist das ein Zeichen persönlicher Reife. Ganz oft leiden wir unter unseren eigenen Fehlern. Beichten heißt, sich der Liebe Gottes bewusst werden. Die Voraussetzung dafür ist der Wille zur Versöhnung untereinander und zur Wiedergutmachung. Gott bietet uns an, uns von ihm lieben und verändern zu lassen und reicht uns seine Hand zur Versöhnung.

In diesem katechetischen Beitrag möchte ich ihnen das Sakrament der Beichte durch einige Gedanken und Überlegungen näherbringen. Ich hoffe, dass diese ihnen helfen, sich mit diesem Sakrament anzufreunden oder auseinander zu setzen.

Was in der Vergangenheit als Beichtsakrament benannt wurde, wird heute als Sakrament der Vergebung oder Sakrament der Versöhnung benannt. Diese neue Bezeichnung zeigt auch ein neues Verständnis für dieses Sakrament.

Einige Gläubige haben in der Vergangenheit das Beichten eher als eine Gerichtsverhandlung erlebt. Strenge und genaue Gewissensforschung nach Geboten und Verboten, ausführliche und genaue Auflistung von Sünden, Niederknien im Beichtstuhl, Beichten ohne etwas zu vergessen, sowie die Fragen von Priestern im Beichtstuhl haben in gewisser Weise zu dieser Erfahrung beigetragen. Die Beichtstühle waren nicht immer anziehend. Die Dunkelheit im Beichtstuhl und der Vorhang zwischen dem Priester und dem Beichtendem haben bei den Gläubigen eher Angst und Unsicherheit erzeugt.

In dieser Hinsicht hat sich einiges verändert und gewandelt. Schon die Begriffe „Vergebung“ und „Versöhnung“ beschreiben das aufrichtende, aufbauende und tröstende Wesen der Beichte. Die Spendung und der Empfang dieses Sakramentes finden heute überwiegend im Rahmen eines Dialoges statt. Vertrauen und Gebet tragen dieses Gespräch. Hier wird der Beichtende nicht verurteilt, sondern ihm wird vergeben; er wird nicht gerichtet, sondern aufgerichtet und nicht bestraft, sondern versöhnt.

Wenn man vom Sakrament der Versöhnung spricht, wird man mit den Begriffen Sünde, Eingeständnis und Bekenntnis, Vergebung und Versöhnung, Umkehr und Buße konfrontiert. Im Folgendem möchte ich diese Worte nun erläutern.

 

Sünde: In der Formulierung: „Es tut mir Leid“ steckt die tiefe Wahrheit, dass bei jedem Verstoß gegen eine andere Person auch ich selbst in Mitleidenschaft gezogen werde. Jedes Leid, das ich einem anderen zufüge, trifft auch mich selbst. Sünde bedeutet, genau diesen Zusammenhang zu leugnen. Sünde ist eine Art Störfeuer, das die zwischenmenschlichen Beziehungen ebenso wie das Verhältnis zu Gott empfindlich zersetzt. Die Grundbilder der Sünde sind: Verfehlung, Verkehrung oder Verkrümmung und Verbrechen.

·       Verfehlung:Verfehlung eines Ziels, eines Lebensziels, auf das hin wir unterwegs sind.

·       Verkehrung oder Verkrümmung:Es geht um Zerstörung, um Umkehrung des Lebensförderlichen.

·       Verbrechen:Gemeint ist, dass Menschen mit jemandem brechen - ein Gebot, ein Bund oder die Treue.

·       In Kurzform:Sünde ist zu wenig Liebe.

 

Ist Sünde und Schuld eine private Sache? Vielleicht denken sie: wenn ich wirklich gesündigt habe, dann mache ich das mit Gott alleine aus, das geht den anderen gar nichts an. Warum wird die Vergebung der Schuld an Menschen gebunden? Wieso wird die Vergebungsbereitschaft an Menschen gebunden, die selbst Sünder sind?

Die Sünde stört die von Gott her geordneten Lebensbereiche, sowohl die persönlichen wie auch die gesellschaftlichen. Sünde ist wie eine Epidemie, die ansteckend wirkt, die Menschen wie die Welt vergiftet und Krank macht.

Die Sünde ist immer ein Bewegungsvorgang in der die Beziehungen von Menschen untereinander und zu Gott leiden. Die Sünde zerstört, was die Gemeinschaft zusammenhält. Die Sünde löst die Bindemittel auf, die ein gutes soziales Miteinander ermöglichen. Jede Sünde, sei sie in unseren Augen noch so gering, ist eine Störung der Ordnung Gottes, säht Unliebe aus und wirkt deshalb zerstörerisch.

Es gibt keinen privaten Heilsweg. Niemand kann sich selbst erlösen und niemand kann sich selbst von seiner Schuld befreien. Deshalb ist die Sünde –selbst die geheimste Sünde, selbst die Sünde, mit der wir niemandem schaden – keine Privatsache.

 

Eingeständnis und Bekenntnis: Die Erkenntnis von Gut und Böse ist die Fähigkeit eines Menschen zu einem eigenständigen Urteil. Sie ist für uns eine positive und unverzichtbare Eigenschaft. Unser Eingeständnis und die Bekenntnis der Sünden bezeugen die Würde Gottes, die Hoffnung und den Glauben an einen barmherzigen Gott.

 

Eingeständnis und Bekenntnis bedeutet:

-die eigene Sünde im Licht des Evangeliums anzuerkennen.

-sich stellen, d.h. nicht ausweichen und sich nicht entziehen.

-sich erinnern und sich mit eigenen hellen und dunklen Seiten zeigen zu wollen,

-mit Gott, mit Menschen und mit sich als Erwachsener und Eigenverantwortlicher in Beziehung treten.

 

Vergebung und Versöhnung: Vergebung und Versöhnung sind kostbare Ressourcen unseres Zusammenlebens. Sie stammen nicht aus dem Vorrat unseres eigenen Könnens. Wenn es gelingt, ist es wie ein Wunder. Sie ereignen sich nur in einem Raum zuvorkommender Liebe, die uns bedingungslos annimmt. Dieser Raum ist eröffnet durch die Zusage des Gottes, den die Bibel uns verkündet. Vergebung ist menschlicher Verfügung entzogen. Vergebung soll als Geschenk angenommen und gelebt werden, und sie erfasst das Innerste des Menschen und schafft Erlösung.

Wenn wir uns Vergebung und Versöhnung so vorstellen, dass sie die Folgen einer unheilvollen Tat auslöschen und uns aus der Verantwortung dafür nehmen, werden wir weder uns noch Gott gerecht.

Das Vergeben ist zu verstehen als die Bereitschaft, gerade im klaren Blick auf die Vergangenheit, die Folgen zu tragen, die aus dem schuldhaften Tun entstanden sind. Vergeben hat nichts damit zu tun die Vergangenheit zu verwischen oder zu verharmlosen.

Der Vergebende und der Versöhnende ist Gott. Die Sündenvergebung und Versöhnung geschieht im Moment des Zuspruchs – der Lossprechung.

Umkehr: Umkehr ist die zwingende Konsequenz der Vergebung. Durch die Vergebung wird dem Menschen ein Lebensraum eröffnet, der ihn zur Umkehr befähigt. Umkehren heißt das Selbstvertrauen zu haben, dass Gott uns die Erfahrung machen lässt, dass unsere Schwächen, unsere gebrochenen Biographien, in eine starke Lebensgeschichte verwandelt werden können. Mit der Umkehr beginnt eine Wandlung in meiner Beziehung zu mir, zu meinem Nächsten und zu Gott. Das ist ein Erlebnis der Erlösung und des Angenommenseins.

Liebe Gemeinde!

Wir sollten in unserem Alltag das Sakrament der Vergebung und Versöhnung erfahren und erleben. Jede Versöhnungs- und -Vergebungshandlung von uns - in der Familie, im Berufsleben und in der Gesellschaft - macht uns frei und froh. Die Erfahrung der Besinnung, der Reue, des Bekenntnisses, der Vergebung, der Versöhnung und der Umkehr stärkt unseren Zusammenhalt als Glaubende und Suchende. Letztendlich geben wir dadurch Zeugnis von einem Gott, der die Liebe ist. In seiner Liebe nimmt er uns an, bietet er uns sein Erbarmen an und schenkt uns den Geist „Neue Menschen“ zu werden; neue Menschen nach dem Bild seines Sohnes.

Mit einem Segensgebet möchte ich diese Katechese beenden.

Seid gesegnet im Namen des Schöpfers und himmlischen Vaters:
Seine Barmherzigkeit schenke euch Trost.
Seid gesegnet im Namen Jesu Christi:
Sein Mitfühlen und seine Entschlossenheit richte euch auf.
Seid gesegnet im Namen des Heiligen Geistes:
Sein belebender Atem befähige euch zu heilender Nächstenliebe.
Seid gesegnet und gesendet im Namen des dreieinigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Ihr Pfarrer Francis Sanjeevi